Vincent steckt mitten in den Abiturvorbereitungen, als seine Haut anfängt, sich gelb zu verfärben. In der Notaufnahme wird ihm Blut abgenommen. „Eine Nadel, das war damals der Horror für mich“, erinnert sich Vincent. Seine Leberwerte sind damals katastrophal. Nach 3,5 Wochen ist sein Zustand so miserabel, dass er bei Eurotransplant auf die High-Urgency-Liste kommt. Keine 24 Stunden später ist ein Spenderorgan gefunden. „Es fühlte sich alles so surreal an. Und ich dachte: Die Ärzte wechseln einfach das Organ aus, dann wird alles wieder wie vorher. Doch dem war leider nicht so.“

Die neue Leber arbeitet nur schlecht. Nach wenigen Monaten verfärben sich Vincents Haut und Augen erneut leuchtendgelb, er magert extrem ab, hat permanenten Juckreiz am ganzen Körper. Tiefe Augenringe zeichnen sein Gesicht. Mit 22 Jahren hat er so viel Wasser in den Beinen, dass eines Tages der Gummizug seiner Schuhe platzt. Um den erschrockenen Blicken seiner Mitmenschen zu entgehen, zieht er sich völlig zurück. „Im letzten halben Jahr im Studentenwohnheim saß ich oft auf dem Bett und dachte: Vielleicht ist es am besten, wenn ich morgen gar nicht mehr aufwache.“ Als er schon fast die Hoffnung verloren hat, erhält er 2020, nach dreieinhalb Jahren Wartezeit, zum zweiten Mal den rettenden Anruf – an seinem 23. Geburtstag. „Es war eine komplette Achterbahn der Gefühle“, sagt Vincent rückblickend. Dieses Mal verläuft alles gut.
„Nach vier Wochen wurde ich entlassen. Dieses Gefühl war der Wahnsinn! Das erste Mal wieder aufzustehen und selbstständig die ersten Schritte zu machen – das war eine Explosion des Lebens! Da war wieder eine Zukunft, keine schwarze Wand mehr“, strahlt Vincent. „Heute kann ich wieder Zeit mit der Familie und meiner Freundin verbringen. Sie alle haben mich die ganze Zeit über so sehr unterstützt. Und ich setze mich für andere Betroffene ein. Ich möchte etwas von dem seelischen Beistand zurückgeben, den ich damals bekommen habe.“
