Jenny R. – Ohne Organspende hätte ich nur noch 1–2 Jahre gelebt

Jenny lebt mit Mukoviszidose – Atmen war lange ein täglicher Kampf. 2015 schenkt ihr eine Organspende eine neue Lunge. Heute genießt sie ihr Leben: arbeitet, reist und ist aktiv wie nie zuvor.

Jenny hat von Geburt an Mukoviszidose. Besonders betroffen: die Lunge. Bereits in ihrer Jugend ist ihr Zustand oft kritisch. 2015 ist die Lungenfunktion schließlich so gering, dass sie auf die Warteliste kommt. Die damals 25-Jährige zieht wieder zu ihren Eltern, kann ihren Alltag nicht mehr alleine bewerkstelligen. Doch sie hat Glück im Unglück und bekommt bereits nach sechs Wochen ein passendes Spenderorgan. „Ohne die Transplantation wären mir nur noch ein bis zwei Jahre geblieben“, erinnert sich Jenny, die heute wieder tatkräftig im Familienunternehmen mitarbeitet.

Nach der OP ist es noch ein langer Weg zurück zur Normalität: „Die Mukoviszidose hatte den ganzen Brustkorb versteift. Und das Volumen der neuen Lunge war ich nicht mehr gewohnt. Am Anfang ist man sehr vorsichtig. Vorm Einschlafen etwa hatte ich immer Angst, dass ich aufhöre zu atmen. Dieses vollautomatische Atmen kannte ich ja schon ganz lang nicht mehr. Vorher habe ich immer mit Maske und Sauerstoff geschlafen. Das wegzulassen, hat mich am Anfang unglaublich viel Überwindung gekostet. Heute kann ich problemlos Wäschekisten vom Keller in den 2. Stock tragen. Oder Sport machen: Reiten gehen, Rad fahren, im Fitnessstudio Gewichte heben – das hätte ich mir vorher nie träumen lassen. Ich reise auch wahnsinnig gern und war erst kürzlich in Vietnam. Ich taste mich immer ganz langsam vor, und dann geht das schon.

Ich habe mich nie auf meine Krankheit reduzieren lassen. Mit 18 Jahren bin ich auch mit der Infusionsflasche in die Disko gegangen. Ich habe mich für nichts geschämt. Und ich hatte immer einen guten Freundeskreis, der immer zu mir gehalten und mich unterstützt hat. Wir sind so kleine Überlebenskünstler, wir machen immer das Beste daraus. Die Krankheit gehört zu mir, immer schon. Und wer das nicht mag, der kann gehen. Mittlerweile sortiere ich da rigoros aus.“
Mama Ursula erinnert sich: „Als Jenny nach der Transplantation wieder nach Hause durfte, habe ich sämtliche Nachbarn und Freunde eingeladen und 89 Luftballons aufgehängt, weil sie 89 Tage weg war.“ Entmutigen lassen haben sich die beiden nie: „Selbst der Mukoviszidose konnten wir einige positive Sachen abgewinnen. Ich bin froh, dass wir das erleben durften. Man darf nie den Kopf in den Sand stecken.“

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